Auswandern nach Norwegen: Registrierung, Arbeit, Kosten
Norwegen ist nicht in der EU, aber im EWR: Deutsche brauchen kein Visum, müssen sich bei einem Aufenthalt über drei Monate aber bei der Polizei registrieren. Was Sie dafür brauchen, wie Personennummer, Steuerkarte und Versicherung funktionieren und was das Leben kostet.

Norwegen ist nicht in der EU, aber im EWR. Als Deutsche oder Deutscher brauchen Sie daher kein Visum und keine Arbeitserlaubnis. Wer länger als drei Monate bleibt, muss sich registrieren, und braucht dafür einen Grund: Arbeit, Selbstständigkeit, Studium oder genug eigenes Geld. Für Jobsuchende gelten sechs Monate. Das Leben ist laut Eurostat deutlich teurer als in Deutschland, vor allem im Supermarkt und im Restaurant. Stand: Oktober 2026.
Registrierung: Was nach drei Monaten gilt
In den ersten drei Monaten reicht Ihr Ausweis. Danach unterscheidet die norwegische Einwanderungsbehörde UDI zwei Fälle:
- Sie haben einen Grund für den Aufenthalt, also eine Stelle, eine selbstständige Tätigkeit, ein Studium oder genug Mittel für sich selbst. Dann registrieren Sie sich als EWR-Bürger. Sie erfassen Ihre Daten vorab im Antragsportal der UDI und gehen mit Ausweis und Belegen zur Polizei.
- Sie suchen noch Arbeit. Dann dürfen Sie bis zu sechs Monate bleiben, müssen sich aber innerhalb von drei Monaten nach der Ankunft bei der Polizei als Arbeitsuchende melden. Finden Sie keine Stelle, müssen Sie nach sechs Monaten ausreisen. Sie dürfen später erneut zur Jobsuche einreisen.
In Oslo, Bergen, Trondheim und Stavanger gibt es Servicezentren für ausländische Arbeitskräfte (SUA), in denen Polizei und Steuerverwaltung zusammensitzen. Dort erledigen Sie Registrierung, Personennummer und Steuerkarte in einem Termin.
Personennummer und Steuerkarte
Ohne norwegische Identifikationsnummer geht im Alltag wenig: Bank, Arzt, Mietvertrag und Arbeitgeber fragen danach. Die Nummer vergibt die Steuerverwaltung Skatteetaten bei einem Termin mit Identitätsprüfung. Wer mindestens sechs Monate bleibt, meldet dabei seinen Umzug nach Norwegen und wird im Einwohnerregister erfasst. Für kürzere Aufenthalte gibt es eine vorläufige D-Nummer.
Wer in Norwegen arbeiten will, braucht außerdem eine Steuerkarte (skattekort). Ohne sie zieht der Arbeitgeber einen hohen pauschalen Steuerabzug ab. Beantragen Sie sie gleich beim ersten Termin, mit Arbeitsvertrag oder Stellenzusage.
Krankenversicherung: Folketrygden
Norwegen hat eine staatliche Volksversicherung, die Folketrygden, verwaltet von der Behörde NAV. Laut NAV werden Sie Mitglied,
- wenn Sie mindestens zwölf Monate in Norwegen leben wollen, ab dem Tag der Einreise, oder
- wenn Sie bei einem norwegischen Arbeitgeber in Norwegen arbeiten, ab dem ersten Arbeitstag.
Die Mitgliedschaft deckt Arzt und Krankenhaus, für viele Leistungen zahlen Sie einen Eigenanteil. Welches Land bei Arbeit in mehreren Ländern zuständig ist, regeln die EU-Koordinierungsregeln, die im EWR ebenfalls gelten. Rentner mit deutscher Rente und ohne norwegische Rente bleiben bei ihrer deutschen Kasse und melden sich mit dem Formular S1 an. Mehr im Artikel Krankenversicherung beim Auswandern.
Arbeiten in Norwegen
Als EWR-Bürger arbeiten Sie ohne Arbeitserlaubnis. Stellen finden Sie über NAV, über das EU-Portal EURES und private Jobbörsen. In vielen Berufen, etwa in Pflege, Gesundheit und im Handwerk, brauchen Sie eine Anerkennung Ihres Abschlusses, und im Alltag mit Kunden oder Patienten Norwegisch. Wie die Anerkennung funktioniert, erklärt der Artikel Im Ausland arbeiten.
Für die Jobsuche können Sie deutsches Arbeitslosengeld mitnehmen, weil Norwegen zum EWR gehört: drei Monate, auf Antrag bis zu sechs. Sie müssen es vor der Abreise bei der Agentur für Arbeit beantragen. Die Bedingungen stehen im Artikel Auswandern ohne Geld.
Lebenshaltungskosten in Norwegen
Norwegen gehört zu den teuersten Ländern Europas. Eurostat vergleicht jedes Jahr die Preisniveaus, der EU-Durchschnitt ist 100:
| Bereich (Eurostat 2025) | Deutschland | Norwegen | Norwegen gegenüber Deutschland |
|---|---|---|---|
| Konsum insgesamt | 109,1 | 138,4 | etwa 27 % teurer |
| Lebensmittel und alkoholfreie Getränke | 102,4 | 133,1 | etwa 30 % teurer |
| Wohnen, Wasser, Strom, Gas | 113,9 | 107,5 | etwa 6 % günstiger |
| Restaurants und Unterkünfte | 108,4 | 139,7 | etwa 29 % teurer |
Den höheren Preisen stehen höhere Löhne gegenüber. Ob es sich für Sie rechnet, hängt davon ab, ob Sie ein norwegisches Gehalt verdienen. Wer mit deutscher Rente oder deutschem Einkommen nach Norwegen zieht, verliert dagegen spürbar Kaufkraft. In Oslo und Bergen liegen die Mieten über dem Landesschnitt.
Steuern
Wer in Norwegen wohnt, ist dort grundsätzlich steuerpflichtig. Welcher Staat welche Einkünfte besteuert, regelt das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Norwegen. Das betrifft vor allem Renten, Mieteinnahmen aus Deutschland und Kapitalerträge. Lassen Sie das vor dem Umzug prüfen. Was beim Wegzug aus Deutschland gilt, steht im Artikel Steuern beim Auswandern. Wer Anteile an einer Kapitalgesellschaft ab 1 Prozent oder große Fondsdepots hält, sollte den Artikel Wegzugsbesteuerung lesen.
Nachteile: Was gegen Norwegen sprechen kann
- Hohe Preise: Lebensmittel und Restaurants sind rund 30 Prozent teurer als in Deutschland.
- Sprache: Viele Norweger sprechen gut Englisch, für viele Stellen, Behörden und den Alltag auf dem Land brauchen Sie trotzdem Norwegisch.
- Kein EU-Land: Für Waren, die Sie mitbringen, und für Autos gelten norwegische Zoll- und Einfuhrregeln. Klären Sie vor dem Umzug beim norwegischen Zoll (Tolletaten), was für Ihr Umzugsgut und Ihr Auto anfällt.
- Dunkle Winter: Im Norden geht die Sonne im Winter wochenlang nicht auf. Ein Probewinter zeigt, ob Sie damit leben können.
Checkliste für den Umzug nach Norwegen
- Stelle suchen oder Arbeitslosengeld für die Jobsuche bei der Agentur für Arbeit beantragen.
- In Deutschland abmelden, Finanzamt, Krankenkasse und Rentenversicherung informieren.
- Daten im UDI-Antragsportal erfassen und Termin bei Polizei oder Servicezentrum buchen.
- Personennummer und Steuerkarte bei Skatteetaten beantragen.
- Bankkonto eröffnen; mehr im Artikel Bankkonto beim Auswandern.
- Umzugsgut und Auto beim Zoll klären.
Was sonst bei einem Umzug innerhalb Europas gilt, fasst der Artikel Auswandern innerhalb der EU zusammen. Weitere Ziele in Skandinavien: Dänemark und Schweden. Andere Ziele vergleicht der Artikel Wohin auswandern?
Quellen
Stand: Oktober 2026.
- UDI – Job seekers who are EU/EEA nationals – sechs Monate Jobsuche, Meldung bei der Polizei binnen drei Monaten, Registrierung nach Jobantritt
- UDI – What is the registration scheme for EU/EEA nationals? – Registrierung bei Aufenthalt über drei Monate, zulässige Gründe
- Skatteetaten – Moving to Norway: EU/EEA citizens – Identifikationsnummer, Steuerkarte
- Nordischer Rat – Folkeregistrering i Norge / Info Norden – Einwohnerregister, Personennummer und D-Nummer
- NAV – Membership of the National Insurance Scheme – Mitgliedschaft ab zwölf Monaten Aufenthalt oder ab erstem Arbeitstag
- Eurostat – Preisniveauindizes (prc_ppp_ind_1), Stand 09.07.2026 – Preisniveaus 2025 (EU = 100)
- Bundesagentur für Arbeit – Fachliche Weisungen: Arbeitslosengeld bei Arbeitsuche im Ausland – Mitnahme in EU/EWR drei bis sechs Monate
- DVKA – Merkblatt „Meine Krankenversicherung bei Wohnort im Ausland“ – S1 für Rentner im EWR
Häufige Fragen
Was braucht man zum Auswandern nach Norwegen?
Einen gültigen Personalausweis oder Reisepass und einen Grund für den Aufenthalt: eine Arbeitsstelle, eine selbstständige Tätigkeit, ein Studium oder genug Geld für den Lebensunterhalt. Wer länger als drei Monate bleibt, registriert sich über das Antragsportal der Einwanderungsbehörde UDI und bei der Polizei. Für die Arbeit brauchen Sie außerdem eine norwegische Personennummer und eine Steuerkarte.
Brauche ich als Deutscher ein Visum für Norwegen?
Nein. Norwegen gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Deutsche dürfen dort ohne Visum und ohne Arbeitserlaubnis leben und arbeiten. Für Aufenthalte über drei Monate gilt aber eine Registrierungspflicht.
Wie lange darf ich in Norwegen einen Job suchen?
Als Arbeitsuchende dürfen Sie bis zu sechs Monate in Norwegen bleiben. Innerhalb von drei Monaten nach der Ankunft müssen Sie sich bei der Polizei als Arbeitsuchende registrieren. Finden Sie eine Stelle, registrieren Sie sich als EWR-Bürgerin oder EWR-Bürger. Deutsches Arbeitslosengeld können Sie unter Bedingungen für die Jobsuche mitnehmen.
Wie bin ich in Norwegen krankenversichert?
Über die norwegische Volksversicherung (Folketrygden). Mitglied werden Sie, wenn Sie mindestens zwölf Monate in Norwegen leben wollen, oder ab dem ersten Arbeitstag bei einem norwegischen Arbeitgeber. Rentner mit deutscher Rente und ohne norwegische Rente bleiben bei ihrer deutschen Kasse und nutzen das Formular S1.
Ist Norwegen teurer als Deutschland?
Ja, deutlich. Laut Eurostat lag das Preisniveau für den Konsum 2025 in Norwegen bei 138,4 Prozent des EU-Durchschnitts, in Deutschland bei 109,1 Prozent. Lebensmittel sind etwa 30 Prozent teurer, Restaurants rund 29 Prozent. Beim Wohnen samt Energie liegt Norwegen mit 107,5 etwas unter Deutschland (113,9).
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