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Auswandern nach Schweden: Folkbokföring, Arbeit, Kosten

Auswandern Ratgeber Portal 8 Min. Lesezeit

In Schweden melden Deutsche ihr Aufenthaltsrecht nirgends an. Wer mindestens ein Jahr bleibt, lässt sich aber bei der Steuerbehörde ins Einwohnerregister eintragen und bekommt eine Personennummer. Was Sie dafür nachweisen, wie Arbeit, Versicherung und Steuer laufen und was das Leben kostet.

Paar trägt Umzugskartons zu einem roten Holzhaus, im Hintergrund Birken und ein See

In Schweden gibt es für Deutsche kein Visum und keine Registrierung des Aufenthaltsrechts. Wer mindestens ein Jahr bleibt, meldet aber seinen Umzug bei der Steuerbehörde Skatteverket und wird ins Einwohnerregister eingetragen (folkbokföring). Dabei bekommen Sie die Personennummer, die Sie für fast alles im Alltag brauchen. Voraussetzung ist ein Aufenthaltsrecht, etwa durch Arbeit. Schweden ist laut Eurostat teurer als Deutschland, aber günstiger als Norwegen und Dänemark. Stand: Oktober 2026.

Aufenthalt: Keine Registrierung, aber Folkbokföring

Als EU-Bürger haben Sie in Schweden ein Aufenthaltsrecht, wenn Sie arbeiten, selbstständig sind, studieren, Arbeit suchen oder genug Geld für sich selbst haben. Laut Einwanderungsbehörde Migrationsverket müssen Sie dieses Recht nicht bei ihr registrieren, sie nimmt solche Anmeldungen gar nicht an.

Wichtig ist stattdessen das Einwohnerregister (folkbokföring) bei Skatteverket:

  • Wer muss sich melden? Wer mindestens ein Jahr in Schweden leben will.
  • Was zeigen Sie vor? Einen Beleg für Ihr Aufenthaltsrecht. Wer arbeitet, legt den von beiden Seiten unterschriebenen Arbeitsvertrag vor. Dazu kommen Pass oder Personalausweis.
  • Wie läuft es ab? Sie melden den Umzug über den Onlinedienst „Flytta till Sverige“ und buchen danach einen Termin zur Identitätsprüfung in einem Servicebüro. Dorthin müssen Sie persönlich, mitziehende Familienmitglieder ebenfalls.
  • Wer entscheidet? Skatteverket prüft, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen.

Bei der ersten Eintragung bekommen Sie die Personennummer. Werden Sie nicht eingetragen, etwa weil Sie kürzer bleiben, können Sie für Arbeit oder Steuer eine Koordinierungsnummer (samordningsnummer) erhalten. Um eine Arbeit zu beginnen, brauchen Sie laut Skatteverket keine der beiden Nummern. Ohne Personennummer sind aber Bankkonto, digitale Identität und Arzttermine mühsam.

Nach fünf Jahren mit Aufenthaltsrecht können Sie bei Migrationsverket eine Bescheinigung über das Daueraufenthaltsrecht beantragen.

Krankenversicherung

Wer in Schweden eingetragen ist, wird über das öffentliche Gesundheitssystem der Regionen versorgt, das sich über Steuern finanziert. Für Arztbesuche und Medikamente zahlen Sie Eigenanteile bis zu einer jährlichen Höchstgrenze. Wer in Schweden arbeitet, ist dort sozialversichert, zuständig ist die Försäkringskassan.

Rentner mit deutscher Rente, gesetzlicher Versicherung und ohne schwedische Rente bleiben bei ihrer deutschen Kasse und melden sich mit dem Formular S1 an. Mehr im Artikel Krankenversicherung beim Auswandern.

Arbeiten in Schweden

Als EU-Bürger arbeiten Sie ohne Arbeitserlaubnis. Stellen finden Sie über die Arbeitsagentur Arbetsförmedlingen, über EURES und private Jobbörsen. In der IT, in Forschung und internationalen Firmen reicht oft Englisch, für Pflege, Schule, Behörden und Handwerk brauchen Sie meist Schwedisch. Schweden bietet Zuwanderern kostenlose Sprachkurse über die Kommunen an (Svenska för invandrare, SFI). Für reglementierte Berufe brauchen Sie eine Anerkennung, siehe Im Ausland arbeiten.

Für die Jobsuche können Sie deutsches Arbeitslosengeld unter Bedingungen bis zu sechs Monate mitnehmen. Wie das geht, steht im Artikel Auswandern ohne Geld.

Steuern und Wegzug

Sind Sie in Schweden wohnhaft, versteuern Sie Ihr Einkommen dort. Welcher Staat Renten, Mieteinnahmen aus Deutschland oder Kapitalerträge besteuert, regelt das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland–Schweden. Lassen Sie das vor dem Umzug prüfen.

Die deutsche Wegzugsbesteuerung gilt auch bei einem Umzug innerhalb der EU: Wer mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält oder ein großes Fondsdepot hat, versteuert beim Wegzug die stillen Gewinne. Die Steuer wird dann in Raten fällig. Wann sie greift und was Sie tun können, erklärt der Artikel Wegzugsbesteuerung. Die allgemeinen Regeln stehen im Artikel Steuern beim Auswandern.

Lebenshaltungskosten in Schweden

Eurostat vergleicht jedes Jahr die Preisniveaus, der EU-Durchschnitt ist 100:

Bereich (Eurostat 2025)DeutschlandSchwedenSchweden gegenüber Deutschland
Konsum insgesamt109,1128,4etwa 18 % teurer
Lebensmittel und alkoholfreie Getränke102,4109,9etwa 7 % teurer
Wohnen, Wasser, Strom, Gas113,9121,7etwa 7 % teurer
Restaurants und Unterkünfte108,4123,4etwa 14 % teurer

Damit ist Schweden unter den skandinavischen Ländern das günstigste: Norwegen lag 2025 bei 138,4, Dänemark bei 140,2. In Stockholm, Göteborg und Malmö ist es schwer, eine Mietwohnung aus erster Hand zu bekommen. Viele wohnen anfangs zur Untermiete (andrahand).

Nachteile: Was gegen Schweden sprechen kann

  • Wohnungsmarkt: In den Großstädten sind Mietwohnungen knapp, Untermiete ist oft der einzige schnelle Weg.
  • Ohne Personennummer geht wenig: Bank, digitale Identität und Arzt setzen sie meist voraus, die Eintragung dauert einige Wochen.
  • Sprache: Englisch hilft im Alltag weit, auf dem Arbeitsmarkt außerhalb internationaler Firmen aber nicht.
  • Lange, dunkle Winter, besonders im Norden.

Checkliste für den Umzug nach Schweden

  1. Stelle suchen, Arbeitsvertrag unterschreiben lassen.
  2. In Deutschland abmelden, Krankenkasse (S1 für Rentner), Finanzamt und Rentenversicherung informieren. Wegzugsteuer prüfen.
  3. Umzug über „Flytta till Sverige“ bei Skatteverket melden.
  4. Identitätsprüfung im Servicebüro, danach Personennummer.
  5. Bankkonto und digitale Identität einrichten; mehr im Artikel Bankkonto beim Auswandern.
  6. SFI-Sprachkurs bei der Kommune anmelden.

Weitere Ziele im Norden: Norwegen und Dänemark. Alle Länder im Vergleich zeigt der Artikel Wohin auswandern?

Quellen

Stand: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Muss ich mich in Schweden anmelden?

Ihr Aufenthaltsrecht als EU-Bürger müssen Sie nicht registrieren, die Einwanderungsbehörde Migrationsverket nimmt das nicht an. Wer mindestens ein Jahr in Schweden leben will, meldet seinen Umzug aber bei der Steuerbehörde Skatteverket und wird ins Einwohnerregister eingetragen (folkbokföring). Dafür weisen Sie Ihr Aufenthaltsrecht nach, zum Beispiel mit einem Arbeitsvertrag, und gehen persönlich zur Identitätsprüfung.

Was ist die schwedische Personennummer?

Die persönliche Identifikationsnummer, die Sie bei der ersten Eintragung ins Einwohnerregister bekommen. Sie brauchen sie für Bank, Arzt, Mietverträge und viele Online-Dienste. Wer nicht eingetragen wird, aber in Schweden arbeitet, kann eine Koordinierungsnummer (samordningsnummer) bekommen.

Kann ich in Schweden ohne Personennummer arbeiten?

Ja. Laut Skatteverket brauchen Sie weder Personennummer noch Koordinierungsnummer, um eine Arbeit zu beginnen. Im Alltag, etwa bei Bank und Gesundheitsversorgung, wird es ohne Nummer aber schwierig.

Ist Schweden teurer als Deutschland?

Ja, aber weniger als Norwegen oder Dänemark. Laut Eurostat lag das Preisniveau für den Konsum 2025 in Schweden bei 128,4 Prozent des EU-Durchschnitts, in Deutschland bei 109,1. Lebensmittel und Wohnen sind etwa 7 Prozent teurer, Restaurants etwa 14 Prozent.

Fällt beim Umzug nach Schweden Wegzugsteuer an?

Möglich. Die deutsche Wegzugsbesteuerung gilt auch bei einem Umzug innerhalb der EU, wenn Sie mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft halten oder ein großes Fondsdepot haben. Sie wird dann in Raten fällig. Lassen Sie das vor dem Umzug prüfen.

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